Solidarität als »Verschwisterung unter Ungleichen«
von Mia Neuhaus: Mehr Information
Vortrag/Diskussion
- Sprache: Deutsch
- Dauer: 1.5h
- In Präsenz
Um was geht´s?
Format (z. B. Vortrag, Workshop, Lesung, Diskussion, künstlerische Einlage, etc.): Vortrag/DiskussionIn Präsenz oder online: präsenzDauer: 1,5hSprache: deutschSolidarität ist eine Bewegung in die Fremde, eine Begegnung, die uns verändert, hat stets einen utopischen Überhang und ist dabei nicht zu haben ohne eine konfliktive Spannung. Solidarität ist eine Wette auf die Zukunft, die ein Risiko einschließt. Und sie ist eine Notwendigkeit, weil sie eine Forderung beantwortet, die nicht ausgeschlagen werden kann, ohne die eigene Menschlichkeit zu verraten. Was versperrt dennoch so vielfach den Impuls zur Solidarisierung, wie wir es in den aktuellen autoritären Schließungen sehen, die keine Gnade kennen oder sich stumm stellen, jede solidarische Geste verweigern?Und was hält die Ströme der Verschwisterung offen, die wir in den zahlreichen solidarischen Aufbrüchen weltweit sehen, die über forcierte Trennlinien hinweg imstande sind, sich zu einersozialen Bewegung zu verdichten und so eine anderes Miteinander praktisch vorwegzunehmen?Solidarität zeigt sich in diesen als eine Negationsbewegung, die die herrschende Ordnung verrrät und sich dem identitären Pakt verweigert. Sie sehnt sich nach dem Anderen, Verworfenen, Unterdrückten ... räumt dem Nicht-Identischen einen Platz ein. Sie stellt das her, worauf sie zugleich angewiesen ist: Eine ausgestreckte Hand, eine wechselseitige Bezogenheit, tragfähiges Netz.Dabei, so soll diskutiert werden, heißt solidarisch sein gerade nicht „mit meinesgleichen“, leitet sich gerade nicht aus der Nahbeziehung ab und kann dann von dort aus „verallgemeinert“ werden, meint nicht Eigeninteresse oder Loyalität, sondern kann vielmehr als eine Fernstenliebe begriffen werden.Der massive repressive Angriff insbesondere gegen die grenzüberschreitenden Bewegungen der Migration und gegen klassenübergreifende Aufstände wie die iranische Revolution, sowie gegen die weltumspannende Bezugnahme auf „Jin, Jiyan, Azadî“ zeigen, dass es gerade jene Praktiken der Verschwisterung unter Ungleichen sind, die imstande sind, die herrschenden Grenzen zu sprengen.Wir wollen uns zusammen praktische Beispiele vergegenwärtigen, die der Kälte der gegenwärtigen Verhältnisse widersprechen undeinen utopischen Überhang erfahrbar machen: Die Nachbarschaftshilfe, die in den USA in kürzester Zeit die lebendigen Netzwerke in den Kiezen hat sichtbar werden lassen, die Seenotrettung oder das Athener Hotel City Plaza, die die zynische Behauptung Lügen strafen, es gehe nicht anders, oder oder ...
wer es gerne ausführlicher hätte [...]
Zielsetzung des Beitrags
Gemeinsam für einen Solidaritätsbegriff und vor allem für eine solidarische Praxis streiten, die nicht immer wieder in die Falle von Identitätspolitiken gerät: Am praktischen Beispiel und mit Lust auf -> Verschwisterung unter Ungleichen, statt Angst vor dem „Anderen“