Das Patriarchat als Metasystem


von Mariam Irene Tazi-Preve: Mehr Information

Vortrag

  • Sprache: Deutsch
  • Dauer: ca. 30 – 40 Minuten plus Diskussion
  • In Präsenz

Um was geht´s

Gemeinhin wird von einem verzerrten Verständnis von Feminismus ausgegangen, das suggeriert, es gäbe keine Alternativen zum gegenwärtigen Gesellschaftsentwurf. Es gälte nur, die Bedingungen zu „verbessern“. Wir erleben gleichzeitig, wie der Feminismus durch bestimmte propagierte Diskurse ad absurdum geführt und von den realen Problemen, denen Frauen ausgesetzt sind, abgelenkt wird. Ich gehe von der Theorie der Patriarchatskritik aus, die einen radikalen Meta-Blick auf die zivilisatorischen Bedingungen wirft. Schlüssel und Ausgangspunkt dabei ist die Hinnahme von Gewalt auf Micro- und Macro-Ebene. Tatsächlich haben wir es mit dem Ausbau der Gewalt auf individueller, politischer und ökonomischer Ebene zu tun. Es geht darum, das Patriarchat als Metasystem zu begreifen, an dem nicht gerührt wird. Von daher erklärt sich, dass durch den politisch dominierenden Gleichheitsfeminismus nichts an den Strukturen selbst verändert werden kann.Daher sind alle Begriffe, auf die in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft rekurriert wird, zu hinterfragen – das Verständnis von Demokratie, der Fortschrittsglaube, die angebliche Normalität des Nationalstaates, der Glaube an die Kleinfamilie und weitere. Alle diese Systeme sind entlang patriarchaler Parameter entstanden – von daher sind Frauen per se ausgeschlossen und müssen immer „ihren Platz erkämpfen“. Wir müssen also weit darüber hinausdenken, um eine neue Welt zu kreieren. Neue Gesellschaftsformen in Verantwortlichkeit und Solidarität, wo Theorie und Praxis zusammengeführt werden, sind bereits in Existenz. Dies gilt beispielsweise für den revolutionären Gesellschaftsentwurf in Rojava im Nordosten Syriens, wo eine egalitäre Gesellschaft im Entstehen ist.Dies gilt für die matriarchalen Gesellschaften, wie sie in vielen Teilen der Welt historisch und heute noch gelebt wird. Sie sind weltweit existent und mittlerweile gut erforscht, z.B. die Mosuo in Südchina, die Hopi in den USA und viele mehr. Matriarchale Gesellschaften besitzen ähnliche Charakteristika im Sozialen, Politischen und Wirtschaftlichen. Sie alle basieren auf dem Grundprinzip der Verantwortlichkeit füreinander und der Ablehnung von Dominanz und Gewalt. Solidarität impliziert eine vorausgegangene Spaltung von Menschen und Gesellschaften, um diese dominieren zu können und hernach die Notwendigkeit wieder zueinander zu finden. Das Paradigma der Verantwortung füreinander und Interaktion mit der Natur hingegen geht dem voraus und wird abgebildet in einzelnen indigenen Gesellschaften, die sich– obwohl sie innerhalb patriarchaler Nationalstaaten leben– eine solche bewahren konnten.


Zielsetzung des Beitrags

„Vom Glauben abfallen“